Cabo de Gatas
Die Geschichte beginnt mit einem radikalen Schnitt im Leben des Protagonisten. Kündigung von allem, Entsorgen des fast kompletten Besitztums, und dann, nur mit Hängematte und Schreibheft ausgestattet, begibt sich dieser Mann auf die Reise. Es wird
eine Reise zur Trostlosigkeit in einem portugiesischen Fischerdorf. Erst eine zugelaufene Katze gibt seinem Leben eine Art von Sinn, bringt Freude in freudlose Tage. Und sie erinnert ihn an seine Mutter. Die Zärtlichkeiten mit dem Tier wirken fast inzestuös, unterstrichen durch die Entdeckung der Schwangerschaft der Katze. Alle anderen Personen bewirken eher weitere Depressionen und bleiben auf wenige Attribute beschränkt: das auslandende Hinterteil der Kellnerin, die Geschäftstüchtigkeit der Zimmerwirtin, der unkomplizierte Umgang mit den Mitmenschen durch den Amerikaner. Sorglos und unkompliziert ist dieser Erzähler nicht, er ergeht sich in seinen Erinnerungen und in depressiver Nabelschau. Meisterhaft kann er die Menschen beschreibend charakterisieren. Es bleibt aber die Frage, warum nach dem spannenden Beginn die Erzählung in dem Gefallen an der eigenen Depression weitergeht. Wer sich an den literarischen Qualitäten erfreut, mag Gefallen an diesem Hörbuch finden, für andere eher langweilig bis überflüssig.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Cabo de Gatas
Eugen Ruge. Ulrich Noethen liest
Argon (2013)
Argon edition
3 CD (ca. 203 Min.)
CD