Die Würde des Menschen ist verletzlich
Jeder von uns erlebt immer wieder Entwürdigungen. Das beginnt schon in der Schule und setzt sich später fort. Gerade in Deutschland, so ist der Autor überzeugt, sind diese Entwürdigungen, dieser unachtsame Umgang miteinander, besonders verwurzelt.
Die Gründe dafür macht er an der deutschen Vergangenheit aus, ab den Traumatisierungen durch Kriege (vom 30-jährigen bis zum Zweiten Weltkrieg) und die Zeit des Nationalsozialismus. Durch diese Traumatisierung und den ungesunden Umgang mit Scham kommt es zu dieser "Vergiftung" der zwischenmenschlichen Beziehungen, werden Kinder in der Schule gemobbt, Arbeitslose als "Wohlstandsmüll" bezeichnet usw. In seinem Buch erklärt der Autor, Sozialwissenschaftler und Psychologe mit Schwerpunkt Schampsychologie, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte. Er zeigt aber auch Auswege aus diesem Dilemma auf und erläutert, wie wir mit der richtigen Sorge für uns selbst auch wieder mehr Achtsamkeit für unser Gegenüber entwickeln, mitmenschlich mit Menschen arbeiten und letztlich so für alle eine Atmosphäre menschenwürdigen Lebens schaffen können. - Ein weises Buch, das zum Nachdenken anregt. Für alle Bestände zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Würde des Menschen ist verletzlich
Stephan Marks
Patmos (2017)
229 S.
fest geb.