Die Namen
1987 macht sich Cora mit ihrer 9-jährigen Tochter Maia und ihrem neugeborenen Sohn auf den Weg zum Standesamt. Ihr Mann Gordon erwartet, dass sie seinen Vornamen für den Jungen eintragen lässt, seit Generationen Tradition in seiner Familie. Doch
Cora ist nicht glücklich mit der Entscheidung. Sie mag den Namen nicht, zu sehr erinnert er sie an die dominanten Männer in Gordons Familie. Hat der Junge nicht das Recht auf einen eigenen Namen, fragt sie sich. Sie selbst würde das Kind gerne Julian nennen. Maia gefällt der Name Bear für ihren Bruder, gleichzeitig kuschelig und stark. – So beginnt Florence Knapp den Prolog ihres Debütromans. In drei unterschiedlichen Erzählsträngen, die jeweils mit Bear, Julian und Gordon überschrieben sind, schildert sie anschließend, wie sich das Leben des Neugeborenen und damit das der ganzen Familie über 35 Jahre entwickelt, je nachdem welchen Namen der Junge erhalten hat. Die unveränderte Konstante ist ihr Mann Gordon, der in jeder der drei Geschichten ein gewalttätiger Mann mit einer Saubermannfassade bleibt. Am Ende stellt sich die Frage, welche Bedeutung der Vorname für das Leben eines Kindes hat, wie sehr wir von unseren Genen geprägt sind und wie viel Entscheidungsfreiheit ein jeder hat. Das spannende Gedankenexperiment ist ein echter Pageturner für alle Bestände!
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Namen
Florence Knapp ; Übersetzung aus dem Englischen von Lisa Kögeböhn
eichborn (2026)
351 Seiten
fest geb.