Wahn
Christof Kessler (*1950) ist seit 20 Jahren Leiter einer neurologischen Klinik in Greifswald. Er beschreibt in zwölf "Stories" realistische Fallgeschichten, die zwar auf den Erfahrungen des praktizierenden Arztes basieren, aber "samt den handelnden
Personen komplett erfunden" sind (wie eine Vorbemerkung der Sammlung betont). Der Leser ist dafür umso mehr berührt, weil er sich bei der Lektüre der spannenden Krankheitsverläufe immer wieder an bekannte Personen und neurotische Krankheiten aus seinem Umfeld und Bekanntenkreisen erinnert fühlt. Der erzählende Praktiker vermittelt nämlich außer einer genauen Beschreibung der jeweiligen Krankheitsgeschichte (ziemlich) leicht verständliche Einblicke in die medizinisch-neurologischen Zusammenhänge zwischen seelischen Erlebnissen und körperlichen Reaktionen. Der Leser bekommt also beim Rezipieren von "Wahn", "Demenz", "Nikotin" oder "Alkohol" etc. - wie die Geschichten heißen - neben Spannung und Aufregung auch noch viel an medizinischer Aufklärung, über die Möglichkeiten einer ärztlichen Behandlung und über die Notwendigkeit einer menschlichen Rücksichtnahme mit. Wer realistische und spannende Geschichten liebt, die alltägliche menschliche Wirklichkeit in den Mittelpunkt rücken, wird mit diesem Buch seine Freude haben.
Georg Bergmeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wahn
Christof Kessler
Eichborn (2013)
206 S.
fest geb.