Die Reise des Zeichners
1777. Johann Wolfgang von Goethe ist auf dem Weg zum Brocken, den er als Erster im Winter besteigen will. Er ist inkognito unterwegs, um sich über die Bergwerke der Region zu informieren und um den Gelehrten Plessing aufzusuchen, der ihn mit seinen
Briefen bedrängt. Auf dieser Reise lässt Schärf den Dichter eine Reihe skurriler Bekanntschaften machen: So fällt Goethe in die Hände einer Räuberbande und wird von einem Mönch befreit, der ihm die Geschichte seiner platonischen Liebe zu einer Nonne erzählt. Er begegnet der Armut im Land und hat Erlebnisse, die ihn wie einen Träumenden erscheinen lassen. In Goethes "Winterreise" streut der Autor Rückblenden ein, die von Ereignissen am Hof in Weimar erzählen, von Lenz, von der Schauspielerin Corona Schröter und von Frau von Stein. Sie alle drehen sich wie Planeten um einen Fixstern - um Goethe. In Freundschaft, in Liebe, in Abneigung. Schärfs Sprache ist an die Sprache der Zeit Goethes angelehnt und seine Schilderungen der sozialen Verhältnisse sowie des geistigen Klimas im Land sind hervorragend recherchiert. Ein intelligentes und zugleich humorvolles Buch.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Reise des Zeichners
Christian Schärf
Eichborn (2016)
332 S.
fest geb.