Medusenkind

Die langen Haare der Meduse sind wie ein Körperteil, sie sind Greifarme, ein weiches Polster und eine warme Decke. Irisee wächst ganz selbstverständlich in den Haaren ihrer Mutter auf, doch als die anderen Kinder zur Schule gehen dürfen, erlaubt Medusenkind dies Meduse ihrer Tochter nicht. Der antike Mythos der gefährlichen und furchterregenden Meduse wird hier in diesem Bilderbuch umgedeutet in eine Erzählung über eine dominante und über-fürsorgliche Mutterfigur. Meduses Anspruch, ihre Tochter allein zu besitzen, hat ja auch viele schöne Seiten für das Kleinkind. Der Tochter jedoch den Schulbesuch zu verwehren, ist ein Fehler, den die Mutter bald einsieht. Es gelingt ihr, loszulassen, was der kleinen Familie Normalität beschert. - Der Text erzählt in sparsamen Sätzen diese Mutter-Tochter-Geschichte und lässt einigen Raum für eigene Worte. Ähnlich verfahren die Zeichnungen, die die blonde Haarmähne der Mutter eher als Symbol für die Geborgenheit des Kindes, denn als Besitzanspruch interpretieren. Die Heimat der beiden wird als abwechslungsreiche Uferlandschaft dargestellt, was der Entdeckerlust der jungen Zuhörer zu Gute kommt. Die versteckte (mahnende!) Botschaft wird sich eher an die vorlesenden Erwachsenen richten.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Medusenkind

Medusenkind

Kitty Crowther
Aladin (2016)

[18] Bl. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.

MedienNr.: 586308
ISBN 978-3-8489-0110-4
9783848901104
ca. 14,95 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 4
Systematik: KK
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