Elefantenwinter
Der 70-jährige englische Autor Michael Morpurgo hat viele preisgekrönte Werke für Kinder geschrieben - hier legt er eine ungewöhnliche Geschichte vor, die auf einer wahren Begebenheit in Belfast beruht und von ihm in den historischen Zusammenhang
der Bombardierung Dresdens am 13.2.1945 eingebettet wird. Eine Frau betreut einen jungen Zoo-Elefanten und kann mit seiner Hilfe dem Feuersturm mit ihren beiden Kindern entkommen. Auf der schwierigen Flucht in den Westen wird die Weggemeinschaft um einen bei der Bombardierung abgestürzten jungen kanadischen Soldaten erweitert und es wird bald klar, dass es im persönlichen Kontakt der Menschen keine Feindschaft geben müsste. Behutsam wird die Ideologisierung der Deutschen differenziert (S. 26 ff), die Kultur erinnert (Bach, Goethe), an Schuld und Verantwortung gemahnt (S. 68 ff). Dabei relativiert er nicht, eher generalisiert er, indem er das Leiden aller vom Krieg betroffenen Menschen thematisiert - all dies kindgerecht verhalten und in eine spannende, historisch saubere Fluchtgeschichte eingearbeitet, die die Mühen und Ängste nicht ausspart und ihrerseits in eine Rahmenhandlung eingebettet ist: Die 84 Jahre alte Lizzy, Tochter der Tierpflegerin und spätere Ehefrau des kanadischen Soldaten erzählt ihrer Pflegerin und deren Sohn von ihren Erinnerungen und gibt damit ihre Erfahrungen weiter. Morpurgo leistet mit seinem Kinderbuch einen ungewöhnlichen und wertvollen Beitrag zur Völkerverständigung und Ächtung aller Kriege. - Allen Beständen nachdrücklich empfohlen für Kinder ab 10 Jahren.
Birgit Karnbach
rezensiert für den Borromäusverein.
Elefantenwinter
Michael Morpurgo
Aladin (2013)
168 S.
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 10