Das Grab der Seelen
Ferrara im Oktober 1626. Ein jüdischer Gelehrter wird eines Nachts brutal ermordet. Um den Mord zu klären, wird der Sonderermittler des Vatikans, Girolamo Svampa, an den Ort des Verbrechens geschickt. Zusammen mit seinem Mitbruder Capiferro beginnt
er die Ermittlungen. Doch die Arbeit wird ihnen nicht leicht gemacht: Die jüdischen Gemeinden in Ferrara geben sich verschlossen und der ortsansässige Inquisitor, Paolo de Francis, hat etwas zu verbergen. Girolamo und Capiferro kommen einem geheimen kabbalistischen Buch auf die Spur. Dann geschieht ein weiterer Mord an einem jüdischen Rabbi. – Auch Jahrzehnte nach Ecos "Name der Rose" sind historische Thriller, die im Kirchenmilieu angesiedelt sind, noch immer attraktiv. Und als Bibliothekar im Erzbischöflichen Seminar in Ferrara verfügt Autor Marcello Simoni in mehrfacher Hinsicht über das nötige Hintergrundwissen. Ein Manko seines Buches sind allerdings der übergroße Personeninventar aus verschiedensten Würdenträgern der katholischen Kirche des 16. Jh. und die vielen Fachbegriffe aus der jüdischen Theologie. All das bedürfte eigentlich eines Glossars; außerdem hat die sehr große Zahl an handelnden Personen auch zur Folge, dass die einzelnen Figuren doch recht eindimensional gezeichnet sind. Dennoch ein gefundenes Lesefressen für alle Freunde dieses Genres.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Grab der Seelen
Marcello Simoni ; aus dem Italienischen von Ingrid Ickler
folio (2025)
288 Seiten : Illustrationen, Karte
kt.