Mindeles Liebe
1955 heiratet Mindele Reuven Toledo. Es ist keine Liebesheirat. Beide werden, wie es unter orthodoxen Juden gelegentlich üblich ist, füreinander bestimmt. Doch Reuven ist ein Spieler, Tunichtgut und Frauenheld. Schon am Tag der Hochzeit spürt Mindele,
dass sie nicht zusammenpassen und verliebt sich umgehend in Chaim, den Onkel des Ich-Erzählers. Auch wenn Reuven Mindele ständig betrügt, kommt es zu keiner Trennung. Ihre Liebe zu Chaim bleibt unerfüllt, da auch Chaim gebunden ist und eine Scheidung von seiner Frau nicht in Frage kommt. Für die Familie an sich, aber auch für die kleine jüdische Gemeinde im kolumbianischen Medellin ist dieser Zustand belastend. So ist man richtig froh, als wie aus dem Nichts Pinkas, ein weiterer Verwandter auftaucht. Er hat die Shoa in Europa überlebt, negiert die Vergangenheit und möchte fast zwanghaft nur noch für die Zukunft leben. Als Pinkas wieder nach Paris zurückkehrt und Mindele einfach mitnimmt, scheinen die Probleme vordergründig gelöst zu sein. Was aber bleibt, ist ein Stapel sehnsuchtsvoller Briefe, die Mindele über Jahre hinweg nach Südamerika schickt. - Ein Roman, der dem Leser aus der Sicht eines Kindes vielfältige Einblicke ins Innenleben einer jüdischen Familie gewährt. Er beleuchtet deren Traditionen und deren Selbstverständnis und kann so zum interkulturellen Dialog beitragen. (Übers.: Hanna Grzimek)
Josef Schnurrer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mindeles Liebe
Memo Anjel
Rotpunktverl. (2009)
197 S.
fest geb.