Mädelsache
Wer sich über die NPD und andere nationalistische Parteien in Deutschland oder die zahlreichen außerhalb der Parteien agierenden "Freien Kräfte", "Kameradschaften" und sonstigen Netzwerke sowie über deren Methoden und Ziele einen fundierten Überblick
verschaffen möchte, wird in dieser ebenso detail- und kenntnisreichen wie hochaktuellen Reportage des Autorenteams fündig. Beide, ein Journalist und eine Politologin, sind ausgewiesene Kenner des braunen Milieus und stützen sich unter anderem auf zahlreiche Insiderinformationen. Natürlich stehen, dem Titel entsprechend, die weiblichen Mitglieder der Szene im Fokus der Abhandlung, zumal diese in den letzten Jahren eine immer aktivere Rolle spielen. Nationalismus ist tatsächlich auch "Mädelsache" geworden, was die Akzeptanz der Neonazis in der Öffentlichkeit offenbar erhöht, gelten doch Frauen als weniger gewaltbereit, pragmatischer und vertrauenerweckender. Dass diese neue Rolle der Frau mit dem traditionellen Frauenbild der rechten Szene kollidiert, ist einer der vielen Widersprüche, die hier beleuchtet werden. Die Recherche wartet mit einer großen Fülle vor allem personenbezogener Details (auch in Form von Fotos) auf und sie dient auch dem Zweck, manche braune Führungsfigur, die gerne im Verborgenen agiert, dem Licht der Öffentlichkeit preiszugeben. Für viele Büchereien sinnvoll.
Mädelsache
Andrea Röpke ; Andreas Speit
Links (2011)
237 S. : Ill.
kt.