Sieben Frauen aus Tripolis
Dem heranwachsenden Jungen, von den Frauen liebevoll Hadachinou genannt, erzählen seine Mutter und Frauen aus ihrer Nachbarschaft ihre Erlebnisse und Geschichten und führen ihn so in das Leben im Labyrinth von Tripolis ein, einer Stadt des Patriarchats
mit Berberinnen, Italienerinnen, Jüdinnen und Araberinnen. Fasziniert lauscht er, wenn er nicht gerade selbst in den Soukhs oder auf Mülldeponien unterwegs ist, in kühlen Patios ihren Geschichten, die Erlebnisse wie aus Tausend und Einer Nacht schildern: einerseits von kurzgehaltenen und gequälten Ehefrauen, andererseits von lebensfrohen Müttern mit Kindern von farbigen Soldaten aus Kriegszeiten oder von Frauen, die ihrer großen Liebe nachtrauern ... - Der Autor (*1954 in Tripolis) schwelgt hier wohl in eigenen Kindheitserinnerungen, die er mit Tagträumen und Phantasien anreichert und so ein glänzendes Gemälde einer geheimnisvollen Welt des Orients zeichnet, die inzwischen offensichtlich am Schwinden ist. Wer sich interessiert für eine Welt, die uns trotz touristischer Möglichkeiten immer noch sehr fern ist, der wird in diesen liebevoll erzählten orientalischen Episoden manche Überraschungen erleben und viel Freude haben. Sehr zu empfehlen. (Übers.: Helmut Moysich)
Georg Bergmeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Sieben Frauen aus Tripolis
Kamal Ben Hameda
Graf (2011)
132 S.
fest geb.