Der Himmel ist ein Fluss
Die junge masurische Landarbeiterin Minna verliebt sich in einen geheimnisvoll stillen Vogelliebhaber und sucht sich bald eine Stellung als Hausmädchen bei einer Apothekerfamilie in der benachbarten Stadt, um näher bei dem Geliebten zu sein. Die
heimliche Liebe wird immer intensiver und unübersehbarer, sodass eines Tages auch die Polizei die beiden beim Küssen erwischt, was ja kein Verbrechen wäre - wenn sie nicht zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Ostpreußen lebten und der von einer Deutschen Geküsste ein Pole wäre! Das Schicksal nimmt seinen Lauf: Verurteilung zu 5 Jahren Gefängnis (mit Schwangerschaft und Geburt eines Sohnes), unbekanntes Schicksal des Geliebten und sehnsüchtiges Träumen von ihm, nach der Entlassung Suche nach ihrer Mutter und ihrem Kind in dem verlassenen und zerstörten Heimatdorf und schließlich Ermordung in den Wirren des russischen Einmarsches 1945 ... - Anna Kaleri aus Leipzig (*1974) erzählt sehr leise, realistisch einfühlsam und zart berührend die Geschichte ihrer Großmutter nach, von der es "kein Foto, kein Schriftzeugnis, keinen Grabstein gibt - als hätte es sie nie gegeben." Die Zeitzeugen dieser dunklen deutschen Vergangenheit mit ihren grausamen Schicksalen werden immer weniger, sodass nur noch aus solch einfühlsamen Erzählungen erfahren werden kann, wozu Menschen fähig sein können. Allen Büchereien eindringlich empfohlen.
Georg Bergmeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Himmel ist ein Fluss
Anna Kaleri
Graf (2012)
222 S. : Ill.
fest geb.