Nächster Halt Himmelreich
Als der Ich-Erzähler aus einer psychiatrischen Anstalt entlassen wird, weiß er mit seinem Leben nicht so recht etwas anzufangen. Der immer noch junge Mann, der von seinem Lebensgefühl her viel lieber in der Zeit der Romantik gelebt hätte, nährt
sich von der Erinnerung an die "Große Liebe" seines Lebens, die er nur einmal vor Jahren für ein paar Minuten gesehen hat. Er kommt bei einer Generalswitwe unter, der er als Entlohnung für Kost und Logis Geschichten erzählt, Geschichten, in denen sich Teile seiner Biographie mischen mit Wünschen, Fantasien, Sehnsüchten. Schließlich erkennt er in seiner Hauswirtin seine große Liebe wieder. Und als sie schläft, verabschiedet er sich von ihr, um noch einmal in den Schwarzwald zu fahren - zur Bahnstation "Himmelreich", in ein für beide offenes Ende. - Die Gedanken dieses Buches wird man nach der Lektüre nicht so schnell vergessen. Und was den Leser gleich von den ersten Seiten an fesselt, ist der wunderschöne Stil, der an die Fabulierkunst der Realisten erinnert, gleichzeitig aber auch so skurrile Wendungen hat, wie man sie an den Romantikern schätzt. Man kann Böhmers neues Buch einen ebenso nostalgischen wie frechen postmodern-romantischen Schelmenroman nennen. Für alle Leser, die eine Handlung lieben, in der Höhen und Tiefen menschlichen Lebens ebenso eindringlich wie anrührend präsentiert werden, in einem literarischen Stil, der einfach brillant ist.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Nächster Halt Himmelreich
Otto A. Böhmer
Klöpfer & Meyer (2013)
213 S.
fest geb.