Kunst. Religion

Die Kunst erkundet die Lücken, die durch den Rückzug des Göttlichen aus der modernen Welt entstehen. Von dieser These gehen die Überlegungen des belgischen Philosophen und Theologen Jean Pierre Wils über Religion und Kunst aus. Kunst ist keine Kunst. Religion Ersatzreligion, aber übernimmt, indem sie wie ehedem die Religion verletzt und heilt, trennt und umstülpt, deren sinnorientierende Aufgabe. Das hat eine historische Dimension: Wenn die Religion zur Kunst wird, wie Richard Wagner 1880 feststellte, muss die Kunst den "Kern der Religion" retten. Sodann eine ästhetische Dimension: Diese Rettung stiftet, in der Begegnung mit großer Kunst, Ernst, Stimmung und Erkenntnis. Und die religiös inspirierte Kunst hat einen moralischen Aspekt: Sie muss nichts, kann aber alles - und reflektiert darüber, ob sie auch alles darf. Über diese Grundfragen einer zeitgemäßen Kunstreligion, über Bilder, Riten und Mythen, schreibt Wils ohne spirituelle Manie, mit großer ästhetischer Bildung und theologischer Feinfühligkeit. Sehr empfehlenswert.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Kunst. Religion

Kunst. Religion

Jean Pierre Wils
Klöpfer & Meyer (2014)

270 S.
fest geb.

MedienNr.: 577453
ISBN 978-3-86351-082-4
9783863510824
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re, Ku
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