Maria - ihre Worte, ihr Schweigen
Ein ganz und gar biblisches Bild der Gottesmutter, das auf Kryptisches, Apokryphes, auf Visionen und Privatoffenbarungen bewusst verzichtet, zeichnet der frühere Apostolische Nuntius in Deutschland, Kardinal Lajolo. Wenngleich es nur wenige Texte
des NT sind, die die Quelle dafür abgeben, so ist dieses Bild doch gewaltig. Lajolo ist ein Meister einer spirituell tiefgehenden Exegese, der Marias Worte in den großen Kontext der alt- und neutestamentlichen Überlieferung zu stellen und daraus zu deuten vermag; der aber auch in ihrem Schweigen mit großer Einfühlsamkeit das göttliche Geheimnis, das sie umgibt, zum Sprechen bringt. So lesen wir die altbekannten und allzu vertrauten Erzählungen ganz neu und erspüren darin eine Kraft, die auch heute noch unseren Glauben tragen und erneuern kann. Beispielhaft: die Verkündigung des Engels, bei der gezeigt wird, wie Maria in einem schlichten, aber grenzenlosen Glauben auf das unvorstellbar Neue des göttlichen Heilshandelns antwortet. Damit stellt der Kardinal Maria als Vorbild für einen Glauben vor, der sich nicht nur auf Satzwahrheiten, sondern auf Gott als handelnde Person richtet. (Ein kleiner Schönheitsfehler der deutschen Übersetzung des Buches: Mit dem "hl. Girolamo", der die Apokryphen als "deliramenta" (S. 15) ablehnt, ist natürlich der hl. Hieronymus gemeint.) - Breit einsetzbar und darum schon ab kleinen Beständen zu empfehlen.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Maria - ihre Worte, ihr Schweigen
Giovanni Lajolo
Fe-Medienverl. (2015)
223 S.
fest geb.