Blender
Der 1958 in Weimar geborene Johannes Bohn gerät früh in die Fänge der Stasi. Als Mitarbeiter ist er allerdings eher unbrauchbar, auch wenn er sich im Bedarfsfall geschickt anbiedert. Bald schon macht seine Drogensucht jede berufliche und persönliche
Entwicklung zunichte. Bohn landet mehrfach in der Psychiatrie und wird schließlich zu vier Monaten Knast verurteilt. Seine Ehe geht zu Bruch. Schulden türmen sich auf. Am Ende wird er durch einen Unfall zum Mörder. Doch Bohn hat eine Fähigkeit: Er kann malen. Also wird er zum Kunstfälscher im Namen der Stasi. Doch auch diese Aufgabe, in der er völlig aufgeht, ist aufgrund des enormen psychischen Drucks und seines ewigen Leichtsinns nur von kurzer Dauer. Engelmann schildert ein Leben, das auf Lügen aufgebaut ist, wobei sich zwischen den Zeilen Parallelen zur DDR anbieten. Die Hauptfigur Johannes Bohn ist ein labiler Charakter, der sich scheinbar ohne Prinzipien durchs Leben schlägt. Die Ernsthaftigkeit des Themas wird mit viel Ironie unterlegt, allerdings ohne, dass die menschliche Tragödie dahinter ganz verschwindet. Engelmann erzählt ihre Geschichte ohne künstliche Spannungsbögen, eine Art Stationendrama, in dem Figuren auftauchen und wieder verschwinden. Authentisch und humorvoll.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Blender
Anke Engelmann
Verlag Voland & Quist GmbH (2025)
223 Seiten
fest geb.