Parasiti
Valli lebt mit ihrer alten Tante Lydia und neben ihrer Cousine Elvira in einer ruhigen Wohngegend in Fürstenfeldbruck in Bayern. Die russlanddeutsche Großfamilie führt ein bescheidenes, doch unbeschwertes Leben, bis eines Tages eine Babyminiatur
aus Plastik in Tante Lydias Briefkasten landet. Von dem Tag an bringt sie kein Wort mehr heraus. Stattdessen werden nun, abwechselnd mit der in der Gegenwart spielenden Geschichte, Vallis und Lydias Geschichten erzählt. Lydias Geschichte beginnt mit ihrer Vertreibung aus der Ukraine nach Sibirien, wo sie in Armut aufwächst und später Sasha, einen arbeitslosen Alkoholiker, heiratet. Dabei bekommt sie immer wieder zu spüren, dass sie als deutschstämmige Frau noch härter für ihre Rechte kämpfen muss als die dort ansässigen Russinnen, wobei das Leben der Frauen geprägt ist von Ungerechtigkeiten und Schwierigkeiten: So sehen sich die Frauen in ihrer Armut und aufgrund fehlender Verhütungsmittel oft dazu gezwungen abzutreiben, wobei sie ihren Ruf und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. So auch Lydia. Eines Tages lädt ihre Schwester Frida Lydia und deren Tochter Elvira zu sich nach Estland ein, um dort ein besseres Leben zu beginnen. Jetzt muss Lydia schnell handeln, hadert aber lange mit sich: Soll sie ihre Nichte Valli und ihren Mann wirklich zurücklassen? – Ein packender, sehr feminin geschriebener Roman, in dem vor allem weibliche Tabus zur Sprache kommen. Sehr zu empfehlen.
Clara Braun
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Parasiti
Alisha Gamisch
Verlag Voland & Quist GmbH (2026)
237 Seiten
fest geb.