Drück mich mal
Die Haut als größtes Organ des Menschen ist auch in der Medizin ein Thema, ebenso ihre Berührung. Diese bewirkt eine Kaskade körperlicher Reaktionen, setzt u.a. das Bindungshormon Oxytocin frei, "lässt Lebensenergie wieder fließen" (S. 34), wie
der Autor meint. Andererseits entstehen Ängste, wenn Berührung als Bedrohung empfunden wird. In unserer technisierten Welt gestaltet sich ein Zusammentreffen von Menschen oft über Medien, seit 2006 gibt ein 'Hug-Shirt' sogar Berührungen über Bluetooth weiter. Handy und Co., Telearbeit und Individualisierung gehen einher mit einer steigenden "Scheu vor sozialer Interaktion" (S. 91) und einem immer brüchigeren liebevollen familiären Umfeld als Gegenpol. Doch: Fehlt Berührung, wird der Mensch krank. - Ein ausführlicher Streifzug über Bedeutung von Körperkontakt durch die Zeiten und sozialen Strukturen mit vielen Beispielen und Belegen, der in der Empfehlung einer täglichen Dosis Streicheleinheiten von ca. 20 Minuten gipfelt. Ab mittleren Beständen durchaus empfehlenswert.
Karola Bartel
rezensiert für den Borromäusverein.
Drück mich mal
Cem Ekmekcioglu
Westend (2015)
197 S.
fest geb.