Kotzt du noch oder lebst du schon?
Umgeben von einer Mutter, die den Tisch voll packt mit Leckereien um gleichzeitig über die bösen Kalorien zu stöhnen, von einem Vater, der seinen Fressattacken Nulldiäten folgen lässt und zwei ebenso essgestörten Brüdern, glaubt Diana ihrem
Heißhunger gewachsen zu sein: mit 14 beginnt sie regelmäßig heimlich alles, was sie isst, sofort wieder zu erbrechen. Dabei verkündet sie, so viel essen zu können wie sie wolle ohne dick zu werden. Doch nach und nach entgeht ihr die Kontrolle: sie isst immer mehr und übergibt sich immer öfter. Wenngleich die Eltern etwas ahnen, erkennen sie nicht, wie gefährdet die Tochter ist. Nachdem Fey die Schule abbricht um ihrer Sucht in einem langweiligen Bürojob frönen zu können, versucht sie jahrelang sich selbst zu heilen. Auch, als sie schon Blut spuckt und erfährt, dass sie lebensbedrohlich erkrankt ist, braucht sie noch Jahre, bis sie endlich mit einer Therapie beginnt. Ein ehrliches, aufgrund der humorvollen Einlagen lebensbejahendes Zeugnis einer Bulimikerin, das das ganze Ausmaß des Leidens an dieser Krankheit offen legt.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Kotzt du noch oder lebst du schon?
Diana Fey
Ullstein (2013)
Ullstein extra
361 S.
kt.