Nachtschattenspiele
Im Mai 1996 ist Kriminalkommissar Tomas Wolf auf der Beerdigung seines für tot erklärten Bruders Kristian, eines Mitglieds der schwedischen Neonazi-Szene. Zeitgleich wird ein Gefangenentransport überfallen und zwei Schwerverbrechern gelingt die
Flucht. Die ambitionierte Starreporterin Vera Berg von der Boulevardzeitung Aftonbladet ist in die Onlineredaktion verbannt worden, eine undankbare Aufgabe zu einer Zeit, in der nur Insider das Internet kennen und nur wenige Prozent der Schweden einen Internetanschluss haben. Erst wenn Vera einen Scoop bringt, darf sie wieder zur Kriminalreporterin aufsteigen. Unerschrocken stürzt sie sich in die Recherche zum Fall des Gefangenentransports an der Seite von Tomas Wolf, den sie aus früheren Fällen kennt (zul. Sommersonnenwende, BP/mp 23/690). Vera folgt einer Spur zur Fahrerin des Transports, einer anderen in die Stockholmer Drogenszene. Währenddessen fliegt Tomas nach Nordirland, um eine Spur zur IRA zu verfolgen. – Auch bei den zahlreichen Charakteren und den ineinander verflochtenen Handlungssträngen halten die Autoren, beide mit Journalismus-Hintergrund, diesen sehr spannenden und flüssig erzählten Krimi perfekt zusammen. Besonders gelungen ist es, wie sie die Stimmung der 90er-Jahre wieder aufleben lassen. Sie thematisieren u. a. den beginnenden Siegeszug des Internets und des Handys (der gerade für die Polizei und im Journalismus einem technischen Quantensprung gleichkam), die schwedische Neonazi-Szene und die Nachwirkungen des Bosnienkriegs. Gerne empfohlen.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Nachtschattenspiele
Pascal Engman & Johannes Selåker ; aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann
Ullstein (2025)
438 Seiten
kt.