Mathilda
Mary Shelley (Autorin des berühmten "Frankenstein"-Romans) lässt die Ich-Erzählerin Mathilda deren Lebensgeschichte in einem langen Brief schreiben. Kurz nach ihrer Geburt stirbt die Mutter, der Vater verlässt sie aus Kummer und verschwindet 16
Jahre lang spurlos. Mathilda wächst bei ihrer kalten, gefühl- und herzlosen Tante auf und fühlt sich wie eingesperrt. Die idyllischen Landschaftsschilderungen kollidieren mit der düsteren Stimmung. Zu ihrem 16. Geburtstag erscheint der Vater wieder und Mathildas Leben ändert sich schlagartig. Sie blüht regelrecht auf. Doch das Glück wird gestört durch das seltsame Verhalten des Vaters, der schließlich den Tod sucht und Selbstmord begeht. Hier kommen die autobiographischen Züge des Romans zum Tragen. Denn auch in Mary Shelleys Familiengeschichte gibt es inzestuöse Momente. Nach Zeiten der Trauer flieht Mathilda aus ihrem behüteten Dasein. Sie lernt den ebenso von Leben und Schicksal enttäuschten Woodville kennen. Aber auch mit ihm wird sie nicht glücklich. An ihn richtet sie ihren Abschiedsbrief, den sie kurz vor dem zu erwartenden Tod schreibt. – Für alle, die Gefallen an englischer Literatur des 19. Jh. finden, gerne empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Mathilda
Mary Shelley ; aus dem Englischen übersetzt von Stefan Weidle
PENDRAGON (2025)
154 Seiten
fest geb.