Ein Tag im Leben von Abed Salama
Im Jahr 2012 stößt ein Bus mit palästinensischen Vorschulkindern, die auf dem Weg zu einem Spielplatz am Rand von Ramallah sind, mit einem Sattelschlepper zusammen. Bei dem Unfall kippt der Schulbus um und fängt Feuer. Als die Rettungskräfte endlich
eintreffen, haben Umstehende bereits etliche Kinder aus dem brennenden Fahrzeug gerettet. Doch für einige kommt jede Hilfe zu spät. Verzweifelte Eltern suchen in den umliegenden Krankenhäusern nach ihren Kindern. Der Journalist Nathan Thrall hat über die Suche eines Vaters nach seinem verunglückten Sohn einen Artikel in der New York Review of Books geschrieben. 2023 hat er ein Buch daraus gemacht. Er hat dafür drei Jahre lang Abed Salama, den Vater eines der Kinder, begleitet und viele Interviews geführt, auf die in den umfangreichen Quellenangaben hingewiesen wird. Er konzentriert sich auf einige Personen, die in das Geschehen involviert sind (Eltern der Unfallopfer, eine Ärztin, der Busfahrer) und erzählt ihr Leben vor und nach dem Unfall. – Der jüdisch-amerikanische Journalist Thrall wohnt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in Jerusalem. Mit behutsamem Blick analysiert sein Buch auch die Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes und macht die herrschenden komplexen Umstände für die Folgen des Unfalls verantwortlich. Er gibt in einem abschließenden Kommentar seiner Hoffnung auf Frieden Ausdruck. 2024 erhielt er für „Ein Tag im Leben des Abed Salama“ den renommierten Pulitzer-Preis in der Kategorie „General Non Fiction“.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Tag im Leben von Abed Salama
Nathan Thrall ; übersetzt von Lucien Deprijck
Pendragon (2024)
333 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.