Das Nest
An der englischen Küste nahe Norvich betreibt Fran zusammen mit ihrem Mann Dom einen Stellplatz für Mobilheime. In einem der Wagen wohnt ihre Schwester Ros mit ihrem Freund Ellis und ihrer Tochter Sadie. Ros vernachlässigt ihre Familie, was sich
negativ auf die 11-jährige Sadie auswirkt. Fran kann nicht viel helfen, was sie belastet. Um den Problemen zeitweilig zu entgehen, zieht sie sich häufig an die Küste zurück, wo sie Vögel beobachtet. Doch als ein Mord geschieht, gerät ihre Welt aus den Fugen. Ellis, der am Tag der Tat verschwindet, macht sich verdächtig. Doch nicht jeder Verdacht erhärtet sich … – Die Autorin erzählt ihre Geschichte in einem ruhigen, knappen Tonfall und verwebt dabei die raue Natur des zu Ende gehenden Winters mit den Charakteren. Die Erzählperspektive wechselt zwischen der Welt Frans und der von Tad, einem älteren Mann, der mit seiner Familie, einer Gruppe von Roma, in der Nähe der Mobilheime sein Lager aufgeschlagen hat und die Geschehnisse – so scheint es – von außen beobachtet. Auf subtile Weise zeichnet Morton-Thomas die Gefühlsregungen dieser Erzähler-Figuren nach und setzt die Handlung geschickt aus deren Perspektiven zusammen.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Nest
Sophie Morton-Thomas ; aus dem Englischen von Lea Dunkel
Pendragon (2025)
301 Seiten
kt.