Locke & Key - 2. Psychospiele
In neuer menschlicher Gestalt tritt der mörderisch-intrigante Brunnengeist in das Leben der traumatisierten Familie Locke, wo er die Mitglieder nach Belieben manipuliert und rücksichtslos jeden Zeugen aus dem Weg räumt, der ihm gefährlich werden
könnte. Zugleich entdeckt der kleine Bode Locke einen Kopf-Schlüssel, mit dem man in das Innere jeder Person eindringen und unterschwellige Ängste entfernen kann. Doch auch ihr Gegner Dodge erfährt bald von dem Wunderwerkzeug. In der Tradition seines Vaters Stephen King kreierte Joe Hill eine verschachtelte Familiensaga mit surrealen und übernatürlichen Elementen, die von Gabriel Rodriguez in mitunter filmisch aufgebauten Seitenlayouts umgesetzt wird. Zwar verzichtet der zweite Zyklus erneut nicht auf drastische Gewalteinlagen, erweist sich aber im Zusammenspiel aus Gegenwartshandlung, Rückblenden und Traumsequenzen in mitunter doppelseitigen Panels als virtuos konstruiert. Band drei, weniger gewalttätig, aber nicht weniger unheimlich angelegt als die beiden Vorgängerbücher, konzentriert sich stärker auf die einzelnen Familienmitglieder mit ihren Phobien, Überlebensstrategien und sozialen Kontakten. Durch den Angriff einer Schattenarmee wird der Zusammenhalt der Kinder zwar eher gestärkt, doch die alkoholabhängige Mutter zeigt sich weiterhin unfähig, ihren Verlust zu kompensieren. Dialogreiche Passagen wechseln hier mit dynamischen, wortlosen Panels ab. Da stets neue Details aus der Vergangenheit der Charaktere enthüllt werden, bietet der fesselnde Plot weiterhin überraschende Wendungen. Nebenbei schneidet die Reihe diskussionswerte Themen wie die Überwindung von Teenager-Ängsten und den Umgang mit Traumata an. Eine überdurchschnittliche Horrorserie mit zahlreichen Genre-Anspielungen für gut geordnete Erwachsenencomic-Bestände.
Gregor Ries
rezensiert für den Borromäusverein.
Locke & Key - 2. Psychospiele
Joe Hill. Gabriel Rodriguez - Zeichner
Panini (2010)
Locke & Key ; 2
[o. P.] : überw. Ill. (farb.)
kt.