Ruhe sanft, mein Herz
Frühjahr 1890 in Paris: das Dienstmädchen Denise begleitet ihre Herrin Odette de Valois auf den Friedhof Père Lachaise. Odette hat Kontakt mit spiritistischen Kreisen aufgenommen und will nun in der Familiengruft in Verbindung mit ihrem verstorbenen
Gatten treten. Doch sie verschwindet spurlos. Denise wendet sich an den Buchhändler Victor Legris, ein ehemaliger Geliebter von Odette. Dieser besorgt ihr zunächst eine neue Unterkunft. Aber es dauert nicht lange, da wird Denise erschlagen aus der Seine gezogen. Nun ist der detektivische Spürsinn des Buchhändlers endgültig geweckt. Gemeinsam mit seinem jungen Gehilfen Joseph beginnt eine aufreibende Suche, die die beiden quer durch Paris führt, zu noblen Adressen und zu Stadtstreichern, zu Wahrsagern und Hellsehern, die versichern, mit Toten in Kontakt treten zu können. Nach "Madame ist leider verschieden" ist dies der zweite Fall, den Victor Legris auf eigene Faust löst. Interessant sind die gesellschaftlichen Gegebenheiten des späten 19. Jahrhunderts, die den Hintergrund des Romans bilden. Der Leser wird mitgenommen in Künstlerkreise und Armenviertel und erfährt einiges über den Bau des Panamakanals. Leider verzettelt sich die kriminalistische Handlung in enervierenden Jagden durch die Stadt, die die beiden Hobbydetektive ohne konkrete Anhaltspunkte unternehmen. Wirkliche Spannung kommt erst zum Schluss auf, als sich die Hinweise auf die Tathergänge verdichten. Empfehlenswert ist dieser zweite Band nur als Ergänzung zum ersten und für historisch interessierte Leser ohne zu hohe Erwartungen an einen spannenden Plot. (Übers.: Gaby Wurster)
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Ruhe sanft, mein Herz
Claude Izner
Pendo (2011)
335 S. : Kt.
fest geb.