Flucht in die Hoffnung
Ein Jahr lang pendelt Tina Rothkamm zwischen Deutschland und Tunesien, bis sie den geliebten Tunesier Farid im Alter von 28 Jahren heiratet. Bereits in der Hochzeitsnacht demütigt Farid Tina zutiefst, weitere Angriffe folgen, doch Rothkamm verzeiht
ihm immer wieder. Was bleibt ihr auch anderes übrig: Nach tunesischem Recht ist sie in den Besitz ihres Mannes übergegangen. Immer wieder schickt er sie nach Deutschland, um teure Apparate auf ihre Kosten zu kaufen, denn er will sich in Tunesien als Arzt selbstständig machen. Trotzdem erntet sie nur Verachtung von ihm. Obwohl es ihr gelingt, sich scheiden zu lassen und das Sorgerecht für ihre Tochter Emira zu erwirken, schlagen ihre Versuche, das Land mit Emira zu verlassen, fehl. Erst als Emira schon 8 Jahre alt ist, gelingt die gefährliche Flucht nach Lampedusa auf einem Schlepperboot. Im Gegensatz zu Mahmoodys ehemaligem Bestseller "Nicht ohne meine Tochter" verurteilt Rothkamm Land und Leute ihrer Wahlheimat nicht. U. a. auch deshalb ist das Buch dieser mutigen Frau als Beitrag zur interkulturellen Verständigung zu verstehen, das auch schon für Jugendliche als Lektüre empfohlen werden kann.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Flucht in die Hoffnung
Tina Rothkamm mit Shirley Michaela Seul
Pendo (2012)
285, [8] S. : Ill. (farb.)
kt.