Hilfe, wir machen uns verrückt!

Burnout, ADHS, Identitätsverlust - Begriffe wie diese boomen in den letzten Jahren, werden zu Dauerbrennern in allen Medien. Gleichzeitig boomt auch die gesamte Psychobranche wie noch nie: Selbsthilfebücher, Familienaufstellungswochenenden, Identitätsfindungscoachings, Hilfe, wir machen uns verrückt! sodass der Autor ganz zu Recht von einem veritablen "Psychokult" spricht. Und der hat fatale Folgen: Weit entfernt davon, dem Hilfesuchenden kompetent beizustehen, wird dieser - so zeigt Ayan auf - eher noch verunsichert, werden seine vermeintlichen Defizite so dramatisiert, dass er sie erst recht schmerzlich empfindet. Psychologie wird so zu einer Art Ersatzreligion. Und Ayan versucht, dies alles in seinem Buch aufzudecken: Er berichtet von esoterischen Scharlatanen ebenso wie von der Effekthascherei psychologischer Statistiken. Davon, wie wir immer mehr zu einem uns nicht guttuenden Perfektionismus gedrängt werden, wie zu der bösen Konsequenz, jede Unzulänglichkeit als Krankheit anzusehen, die man mit allen Mitteln ausmerzen muss. Ayans kritische Analyse des Psychobooms erleichtert, weil sie eines postuliert: Wer sein Denken und Fühlen ständig unter Kontrolle haben und optimieren will, der gewinnt nichts und verliert viel, nämlich die Gabe, die uns die schönsten Lebensmomente beschert: Selbstvergessenheit. - Breit zu empfehlen.

Günter Bielemeier

Günter Bielemeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Hilfe, wir machen uns verrückt!

Hilfe, wir machen uns verrückt!

Steve Ayan
Pendo (2012)

238 S.
fest geb.

MedienNr.: 366716
ISBN 978-3-86612-338-0
9783866123380
ca. 17,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ps
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