Warum der stille Salvatore eine Rede hielt

Ein gestrandeter, bereits verendeter Pottwal explodiert auf einem Sattelschlepper und begräbt den rollerfahrenden Salvatore Krig unter sich. Ein Frisbee mit einer chemischen Waffe wird von einer Agentin in eine Versammlung geschleudert. Mit diesem Warum der stille Salvatore eine Rede hielt doppelten furiosen Beginn hat Michael Wäsers Roman die Lesenden gleich auf seiner Seite. Und sie werden auch mit weiteren Kapiteln belohnt, in denen spannend erzählt wird, wie und in welchen Milieus diese Personen, Einzelgänger und Abenteurer auf je eigene Weise, miteinander vernetzt sind. Es herrscht Krieg, und in dem fiktiven Staat Bovnik gerät Salvatore auf einmal zwischen die Fronten von Bürgerkriegsparteien und Soldaten, Agenten und Adventisten. Das erinnert an die Kriege im Balkan und wird – das ist überhaupt ein Merkmal der Bücher von Wäser – grotesk erzählt, geradezu schrill, mit bunten Wendungen und Drehungen im Plot, bei dem man allerdings manchmal den Faden zu verlieren droht. Salvatore ist aber eine gut getroffene Hauptfigur: ein menschenscheuer Typ und Held wider Willen, der sich im Brennpunkt der Aufmerksamkeit von geheimen und staatlichen Organisationen bewähren muss. Und ein Selbstretter, der sich in seinem Nachnamen vom „Krieg“ abgrenzt und immer wieder die Frage nach Hoffnung und Vertrauen, nach dem Weiterleben mit geistiger Widerstandskraft und physischen Einschränkungen stellt. Lohnende Lektüre.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Warum der stille Salvatore eine Rede hielt

Warum der stille Salvatore eine Rede hielt

Michael Wäser
axel dielmann-verlag (2024)

343 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 620486
ISBN 978-3-86638-444-6
9783866384446
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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