Der Hydrograf

Franz von Karsch-Kurwitz ist ein Scheiternder, in einem Maße, wie man es in der Literatur selten kennt. Als Graf an sich von seinem hohen Stand begünstigt, frei von Geldsorgen, von seinem Vater vom drohenden Militärdienst freigekauft, begibt er Der Hydrograf sich als Hydrograf im Jahre 1913 auf eine Schiffsreise, vorgeblich um die Gesetze von Meer und Wellen zu erforschen, in Wirklichkeit auf der Flucht vor einem perspektivlosen Leben. Er kommt bei seinen halbherzig betriebenen Studien zu keinem vernünftigen Ergebnis, seine nutzlosen Aufzeichnungen verbrennt er nach seiner Rückkehr. Eine Weile glaubt er - und mit ihm der Leser -, dass er wenigstens in einer ebenso geheimnisvollen wie faszinierenden Mitreisenden Erfüllung und Liebesglück finden könnte. Desillusioniert muss er erkennen, dass es sich bei Asta Maris um eine opiumsüchtige Alkoholikerin mit ungewaschenen Füßen handelt. Vor allem letzteres verletzt bezeichnender Weise den im alten Standesdünkel Verhafteten so nachhaltig, dass seine Leidenschaft sofort versiegt. Seine Bekanntschaft mit einem dubiosen Gymnasiallehrer und einem Geschäftsreisenden, beide Vertreter moderner Geisteshaltung und Lebensform, verstärken den Eindruck, dass der Held einer antiquierten, ja geradezu nutzlosen Spezies angehört. - Der preisgekrönte holländische Autor verbindet in diesem anspielungsreich erzählten, in untergründiger Weise spannenden Roman individuelles Schicksal mit sublimer Zeitdiagnose. (Übers.: Andreas Gressmann)

Der Hydrograf

Der Hydrograf

Allard Schröder
mare (2016)

204 S.
fest geb.

MedienNr.: 829171
ISBN 978-3-86648-262-3
9783866482623
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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