Die Blendung
Peter Kien ist Privatgelehrter, Sinologe und Besitzer der größten Privatbibliothek der Stadt. Er lebt zurückgezogen und ganz auf seine Bücher konzentriert, Stille und Abgeschiedenheit sind ihm wichtig. Seinen Weg in den Wahnsinn zeigt Canetti in
seinem 1935 erschienenen Roman auf, der hier in einer beeindruckenden Hörspielfassung vorliegt. Kien heiratet seine Haushälterin Therese, die ihm Interesse an Büchern vorgaukelt, jedoch nur an Materiellem interessiert ist. Es beginnt ein Kampf der Eheleute um die Vorherrschaft in der gemeinsamen Wohnung, bis Therese ihren Mann schließlich aus dieser vertreibt. Kien landet in der Wiener Halbwelt, wo er dem zwielichtigen Siegfried Fischer begegnet, der sich für ein Schachgenie hält. Dieser bringt Kien um sein Geld, der vermeintlich versucht, Bücher vor dem Pfandhaus zu retten. In der Folge stirbt Fischer, Kien wird Gefangener des brutalen Hausbesorgers Pfaff, bis ihn sein Bruder Georg in die geliebte Bibliothek zurückbringt. Doch Kien verfällt endgültig dem Wahnsinn und verbrennt sich dort mit seinen Büchern. Der Bayerische Rundfunk hat aus diesem Roman ein Hörspiel gemacht, das mit Musikversatzstücken und 27 Sprechern, die verschiedene Rollen einnehmen, eine eindrucksvolle Collage und ein bemerkenswertes Hörerlebnis bildet. Anspruchsvoll und empfehlenswert!
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Blendung
Elias Canetti. Bearb., Regie und Musik: Klaus Buhlert. Mit Birgit Minichmayr ...
Der Hörverl. (2013)
12 CD (ca. 616 Min.)
CD