Das große Eis
Auf Grönland wartet Fotografin Anna in der Ansiedlung Ilulissat auf ihren Bruder Alex, der mit Schlittenhunden unterwegs ist. Im Gepäck hat sie ein Gemälde des verschneiten Bodensees, das ihre verstorbene Mutter dem Sohn vererbt hat. Da sich seine
Rückkehr wegen eines Schneesturms verzögert, erinnert sich Anna während der Wartezeit daran, dass ihr Bruder schon immer von Schnee und Eis fasziniert war. Sie überlegt, ob das wohl daran liegt, dass ihre Eltern im bitterkalten Winter 1951 geheiratet haben. Neugierig geworden beginnt Anna, ihre Familiengeschichte aufzuschreiben, pendelt beim Schreiben zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her und trennt ganz allmählich ihre eigenen Erinnerungen von denen, die ihr von Familienmitgliedern erzählt wurden. Zum ersten Mal setzt Anna diese Erinnerungen in neue Bezüge. Dabei wird ihr bewusst, wie stark sie und ihre Geschwister tatsächlich in dem Familiengeflecht eingebunden sind und wie sehr dieses Netz ihr Leben geprägt hat. Je mehr Anna in die Geschichte ihrer Eltern und deren Familien eintaucht, desto besser versteht sie schließlich, weshalb das Bild, das sie ihrem Bruder bringen will, für ihre Mutter das Symbol ihrer unglücklichen Ehe war. Die Geschichte ist berührend geschrieben und schildert detailreich die Lebenswelten, die Annas Eltern und später ihre Kinder prägten. – Simona Pahl verleiht der Ich-Erzählerin eine sehr ansprechende Stimme, in der die Melancholie der Familie mitschwingt. Das Hörbuch ist auch für kleinere Büchereien eine gute Bestandsergänzung.
Leoni Heister
rezensiert für den Borromäusverein.
Das große Eis
Sonja Sophie Kreis ; gelesen von Simona Pahl
audiolino (2026)
1 mp3-CD (circa 431 min)
mp3-CD