Fester Glaube
Eine Youtuberin, die einen Film über eine Lost-Place-Location in Frankreich gedreht und dort eine Schatulle gefunden hat, die angeblich mit der Kreuzigung Jesu zu tun hat, ist verschwunden. Zeitgleich taucht die Schatulle bei einer Auktion in Paris
auf. Die Podcaster Anne und Fin werden über eine Nachricht auf Twitter in diesen Fall hineingezogen und machen sich auf die Suche nach der jungen Frau. Dabei lernen sie den ehemaligen Drogendealer und Kunstdieb Bram kennen, mit dem sie zusammenarbeiten – immer in der Befürchtung, dass er sie übervorteilen und ausbooten wird, sobald er bekommt, wonach er sucht. Offensichtlich geht es ihm nicht um die verschwundene junge Frau und auch nicht nur um die Schatulle. Auf den Spuren dieses ominösen Gegenstandes und der Personen, die damit im 20. Jh. in Kontakt waren, reisen Anne, Fin und Bram von Glasgow über Rom nach Paris, machen einen Abstecher nach London und decken langsam, aber sicher die Geschichte der Schatulle auf. Je mehr sie erfahren, desto gefährlicher wird es. – Was Spannungsaufbau, Sprache, die Mischung aus verschriftlichtem Podcast, Interviews und erzählenden Passagen sowie den kritischen Blick auf den Irrsinn des Kunstmarktes und die Verehrung religiöser Gegenstände zweifelhafter Herkunft angeht, ist der Roman spitze. Man fühlt sich (u.a.) an Dan Brown und seine Figuren erinnert. Vielleicht ist dieser Bezug auch der Schlüssel für das bis zum Ende irritierende Verhalten Brams, der Anna und Fin mitschleppt und für sie Luxushotelzimmer bezahlt, obwohl sie ihm kaum nützlich sind. Ein komplexer, mit ungewöhnlichen Mitteln rasant erzählter, sehr empfehlenswerter Krimi.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Fester Glaube
Denise Mina ; Deutsch von Karen Gerwig
Argument Verlag (2023)
Ariadne ; 1268
299 Seiten
fest geb.