Finger ab
Bei den Ausschachtarbeiten für einen Swimmingpool wird in der Dordogne das Skelett einer jungen Frau gefunden, deren eine Hand verstümmelt ist. Die Paläontologin Adrienne Célarier präsentiert auf einer Pressekonferenz diesen aufsehenerregenden
Fund. Gleichzeitig erzählt Autorin Hannelore Cayre die Geschichte dieser jungen Frau aus dem Aurignacien, die sich gegen die herrschenden streng patriarchalischen Normen auflehnt, wofür ihr einige Finger amputiert werden. Dennoch bleibt sie standhaft und versucht weiterhin zielstrebig, statt nur Sammlerin zu sein, in die Domäne der Männer einzubrechen und Jägerin zu werden. – Mit viel Authentizität und dem Händchen für eine spannende Story verfasst die Autorin einen literarischen Gegenentwurf zur Urgeschichte des Menschen, die bislang ebenso männerorientiert dargestellt war wie die Forschung männerdominiert. Es liest sich wirklich ergötzlich, wie Cayre in ihrem Roman voller Ironie, mit viel Humor und durchaus ordentlichem wissenschaftlichem Background die Machowelt unserer Urahnen entlarvt. Und das werden auch männliche Leser mit Vergnügen genießen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Finger ab
Hannelore Cayre ; Deutsch von Iris Konopik
Argument Verlag (2024)
Ariadne ; 1279
203 Seiten : Illustrationen
kt.