Die Frau ist frei geboren
Die Geschichte beginnt im französischen Rokoko, als schöne Frauen häufig das Spielzeug bedeutender Männer waren und diese Stellung auch gerne für eigene Zwecke ausnutzten. Dieses Schicksal teilt Olympe de Gouges (1748-1753) mit ihrer Mutter. Aber
Olympe gibt sich mit dieser Rolle nicht zufrieden. Sie nutzt ihre Kontakte zu den Mächtigen des Landes zwar gerne aus, aber vorwiegend dafür, ihre Ideen von Gleichheit und Gerechtigkeit zu verbreiten, nur gelegentlich auch für ihre Familie. In kleinen Episoden begleitet der Leser die Menschenrechtlerin und Feministin durch die dramatische Zeit der Französischen Revolution, begegnet dabei wichtigen Persönlichkeiten oft auf sehr privater Ebene. Da holt der Autor geschichtliche Fakten fantasievoll auf die menschliche Ebene und bringt dem Leser die höchst modern wirkenden Ideen Olympes auf unterhaltsame Weise nahe. Nüchterne Biografien vieler Persönlichkeiten folgen im Anhang. Und die schillernde Figur der Olympe scheint besonders gut geeignet, einen menschlichen Gegenpol zu fanatischen Revolutionären und menschenverachtenden Adligen zu bilden. Dazu zeigen auch die schwarz-weiß Zeichnungen viel Menschlichkeit und fangen sowohl die heitere Stimmung der lebenslustigen Olympe ein als auch die Schrecken der Revolution, der am Ende auch diese Frau zum Opfer fällt. Der umfangreiche Band mit einer Geschichtsstunde der besonderen Art hat seinen Preis, der sich aber durchaus lohnt für ein interessiertes Publikum.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Frau ist frei geboren
Text: José-Louis Bocquet. Zeichn.: Catel Muller
Splitter (2013)
462 S. : überw. Ill.
fest geb.