Mutter Krieg
Gendarm Roland Vialatte nimmt seinen Auftrag ernst, den Mörder von drei Frauen zu ermitteln, die in unmittelbarer Nähe zur Front im Ersten Weltkrieg umgebracht wurden. Inmitten von tausendfachem Tod auf dem Schlachtfeld erscheint der Tod von drei
Frauen eher unbedeutend. Für Vialatte ist es eine Frage der Gerechtigkeit. Der Leser erlebt dabei hautnah durch die grausamen Bilder von Verwundeten und Toten, wie der Krieg Menschen zerstört. Allerdings nur die, die hingehen, die obersten Befehlshaber bleiben verschont. Das ganze Buch - eigentlich 4 Bände - ist eine einzige Anklage gegen Krieg und gegen diejenigen, die davon profitieren. Sogar die Frauen waren letztendlich Opfer dieses Krieges. Die Autoren zeigen, wie auch die Überlebenden psychisch zerstört sind und das Leben nach dem Ende des Krieges nicht mehr in den gewohnten Bahnen verlaufen kann. Grausame Bilder der Angriffe, von Verwundeten und Sterbenden führen zu der zentralen Frage - Ist der Tod von Tausenden es wert etwas zu verteidigen, das am Ende nur denen nutzt, die die Befehle geben? Die Antwort der Autoren ist ein vehementes Nein, das jede Diskussion um einen möglicherweise gerechten Krieg ad absurdum führt. Sehr empfehlenswert, besonders zusammen mit Eickmeyer "Im Westen nichts Neues" (in diesem Heft).
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Mutter Krieg
von Kris. Zeichn.: Maël
Splitter (2014)
255 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.