Willy Brandt
Das vielschichtige und faszinierende Leben eines der bedeutendsten deutschen Nachkriegspolitiker, Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992), in einer nur etwa 100 Seiten starken Bilderzählung einzufangen ist ein gewagtes Unterfangen. Während seine Zeit
im norwegischen Exil während der NS-Jahre noch recht breit erzählt wird, fokussieren sich die Autoren in den späteren Jahrzehnten auf einige herausragende politische Ereignisse, die auch durch wirkmächtige Bilder im kollektiven Gedächtnis haften geblieben sind (z.B. DDR-Besuch in Erfurt, Kniefall vor dem Denkmal des Warschauer Ghettos, Mauerfall) und erzählen dazu kleine Geschichten. Auch Brandts von vielen Frauengeschichten geprägtes Privatleben wird immer wieder gestreift. Diese episodenhafte Erzählweise setzt einiges Vorwissen beim Leser voraus. Neben einigen historischen Ungenauigkeiten ist zeichnerisch die Umsetzung der oft sehr statisch wirkenden handelnden Personen nicht immer gelungen. Franz-Josef Strauß ist z.B., gäbe es nicht im Anhang einen erläuternden Teil, kaum zu erkennen. Trotz dieser Mängel zur Abrundung des medialen Angebotes und als erste Annäherung an das Leben Willy Brandts brauchbar.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Willy Brandt
Ill. von Ingrid Sabisch. Text von Heiner Lünstedt
Knesebeck (2013)
111 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.