Die Schachnovelle
Die Reise auf einem Luxusdampfer bringt vor allem gelangweilte Passagiere der reichen Oberschicht zusammen. Zwei Menschen passen nicht in das Schema: bislang ungeschlagener Schachweltmeister Mirko Czentovic und Herr B., bislang unauffälliges Opfer
nationalsozialistischer Folter in Einzelhaft eines Gefängnisses. Als Mitfahrerin wird uns die kapriziöse Tochter des Kapitäns vorgestellt, deren hübsches Zimmer auf dem Schiff zugunsten Czentovics geräumt wird. Der Schachmeister wird als gefühllose Maschine, aus ärmsten Verhältnissen kommend, dargestellt, der präzise und unaufhaltsam jede Partie gewinnt und sich seiner Kunst arrogant bewusst ist. Herr B. leitete eine Anwaltskanzlei, als er ins Visier der Nationalsozialisten geriet. Um von ihm den Verbleib wichtiger Dokumente zu erpressen, wurde er durch Einzelhaft gefoltert. Gerade bei den Schilderungen der psychischen Zerstörungen zeigt die grafische Darstellung ihre besonderen Möglichkeiten, durch Farbgebung und Zeichnung Stimmungen an den Leser weiterzugeben wie die zerstörerische Macht der Isolation. Für Herrn B. ist es zunächst die Rettung vor dem endgültigen Wahn, als er ein Schachbuch in die Hände bekommt. Am Ende treibt ihn die Spaltung seines Denkens in zwei Spieler endgültig in den Wahn, im Original Schachvergiftung genannt. Und die bricht erneut aus, als der pathologisch ehrgeizige Czentovic den ihn überlegenen Herrn B. herausfordert. Mit Mühe kann sich Herr B. von einem Rückfall befreien und wieder in die Anonymität abtauchen. Kleine Abweichungen vom Original.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Schachnovelle
Thomas Humeau. Nach Stefan Zweig
Knesebeck (2016)
120 S. : überw. Ill. (farb.)
fest geb.