Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?
"Es war einmal eine Sprache, die vor lauter Poesie und Wohlklang die Menschen zu Tränen rührte." Das war Deutsch und so ist es auf dem Rücken zu lesen. Doch bald nach Goethe begann ein unaufhaltsamer Abstieg. Gallizismen kamen, später Anglizismen,
dazu Kurzformen und verkürzte Sätze. Der Nürnberger Journalist A. Hock hat all dies genauer unter die Lupe genommen und 40 Gründe gefunden, warum es zu dem allseits bekannten Niedergang der deutschen Sprache kam, weil nämlich "uns schon am Anfang der Spaß verging" (am Deutschunterricht), "kein Schüler je Karl May in der Schule lesen durfte", "der Größte Feldherr aller Zeiten herrschte", "wir alles abkürzen wollten", "alles nur noch geil war", "Fußballer zu sprechen anfingen", "nicht nur Jill Sander Bullshit redete", "wir die SMS entdeckten", "die Rechtschreibreform in die Hose ging" und "Wichtigtuer das Lean Management erfanden". Viele Wörter, die früher zum lebendigen Deutsch gehörten, werden nicht mehr verwendet, wie er im letzten Kapitel zeigt. Das Werk ist eine unterhaltsame und kurzweilige Mischung aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, Anekdoten und hunderten von instruktiven Beispielen. Ein Rezept, wie dem Niedergang entgegengewirkt werden kann, hat er freilich auch nicht. - Allen Lesern nachdrücklich empfohlen, die Interesse an der deutschen Sprache haben.
Michael Mücke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Bin ich denn der Einzigste hier, wo Deutsch kann?
Andreas Hock
Riva (2015)
185 S. : Ill.
kt.