Weitlings Sommerfrische
Der Berliner Richter Wilhelm Weitling befindet sich im Ruhestand und lebt ein beschauliches Leben am Chiemsee und in Berlin. Seine Frau Astrid führt in der Hauptstadt ein kleines Geschäft für Geschenkverpackungen, beide sind seit Jahren glücklich
verheiratet. Bei einer Segelpartie auf dem See gerät Weitling in einen Sturm wie einst als Jugendlicher, verliert kurz das Bewusstsein und erwacht wieder als Geist seines eigenen 16-jährigen Ichs. Er begleitet den jungen Willi in den nächsten Monaten und versucht verzweifelt, wieder in sein altes Leben zurückzukehren. Bald merkt er, dass er mit einigen Menschen Kontakt aufnehmen kann. Er spricht regelmäßig mit seinem Großvater, der von seiner "Sommerfrische" erzählt, wie er seinen eigenen Zeitsprung nennt. Weitling fällt auf, dass sich die nun erlebte Wirklichkeit von seinen Erinnerungen unterscheidet. Und als es ihm schließlich gelingt, in die heutige Zeit zurückzukommen, ist er zwar wieder der 68-jährige Wilhelm Weitling und glücklicherweise auch mit Astrid verheiratet, aber sein Leben und auch das seiner Eltern ist völlig anders verlaufen. - Gert Heidenreich liest diesen niveauvollen Roman, der reich an gesellschaftskritischen, philosophischen und theologischen Überlegungen ist, so perfekt vor, dass der Hörer den Richter jederzeit vor dem inneren Auge hat, und ermöglicht dadurch ein uneingeschränktes Hörvergnügen für ein reifes Publikum.
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Weitlings Sommerfrische
Sten Nadolny. Gelesen von Gert Heidenreich
Osterwold audio (2012)
6 CDs
CD