Der Dieb in der Nacht
Während Pauls Gelegenheitsjob in Prag meint er seinen seit zehn Jahren verschwundenen Freund Felix wiederzutreffen. Diese vage Ahnung erhärtet sich mehr und mehr. Als dieser Mann, Ira Blixen, wenig später in Berlin bei Paul und später auch bei
Felix' Schwester Luise auftaucht, beginnt ein zähes Ringen zwischen dem Wunsch, endlich die vermisste Person wiedergefunden zu haben und der Abneigung gegen die Person, die man gefunden hat. Die ganze Geschichte ist ein ständiges Ringen um die Wahrheit zwischen den drei Protagonisten Paul, Luise und Agnes (Felix' Mutter). Die Verzweiflung der einzelnen schwingt permanent mit, so dass es eine eindringliche, nachdenklich stimmende, manchmal verzweifelte Geschichte ist, die viele Probleme anspricht (Verlust eines Familienmitgliedes, Homosexualität, Sinnhaftigkeit des Lebens, Eheprobleme, Krankheit), aber keines davon ansatzweise für die Protagonisten löst. Das Ende ließ mich in der Luft hängen und schwächte damit meinen Gesamteindruck. Einige Konflikte wie etwa mit Simon (Felix' Vater) werden zwar erwähnt, bleiben jedoch in der gekürzten Lesung unbehandelt. Die Lesung selbst könnte eindrücklicher nicht vorgetragen werden, sie trägt die düstere Stimmung bis zum Ende, wobei sie dann im Nichts verpufft. Evtl. für größere Bestände.
Antonia Mentel
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Dieb in der Nacht
Katharina Hartwell. Gelesen von Samuel Weiss
Osterwold audio (2015)
6 CD (ca. 475 Min.)
CD