Wer einmal aus dem Blechnapf frißt. Die Quangels
Beide Geschichten handeln von einzelnen Menschen, die sich gegen eine Übermacht auflehnen - und scheitern. Die erste Geschichte erzählt von dem Ex-Häftling Kufalt, der versucht, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen. Doch alle Institutionen,
Staat und Kirche sorgen mit ihrer Macht dafür, dass er scheitert. Und auch in der Gesellschaft wird er wegen seiner Vergangenheit abgelehnt und erhält von keiner Seite eine echte Chance, trotz seines enormen Engagements. Am Ende bleibt für ihn nur der Ausweg, ins Gefängnis zurückzukehren. Die zweite Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, als ein Arbeiter-Ehepaar mit Postkarten versuchte, die Verbrechen des NS-Regimes den Mitmenschen ins Bewusstsein zu rücken. Noch mehr als bei Kufalt ist das Ende unausweichlich: das Ehepaar Quangel wird denunziert. Die Macht des Staates hat schon zu viele Menschen produziert, die aus Angst oder Überzeugung diese winzige Auflehnung gegen Hitler sofort an die Behörden melden. Und dort werden schnell die Mühlen in Gang gesetzt, die zwar langsam, aber unerbittlich dem Urheber der provokanten Karten auf die Spur kommen. Beide Geschichten sind bedrückendes Zeugnis von der Ohnmacht des Einzelnen. Durch die gekürzte Hörspielfassung können diese Zeit- und Gesellschaftsdokumente auch von jüngeren Menschen nachempfunden werden, die ansonsten von dem etwas altertümlichen Stil des Autors abgeschreckt würden.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Wer einmal aus dem Blechnapf frißt. Die Quangels
Hans Fallada. [Hörspiel ... von Paul Hühnerfeld. Besetzung: Hans Quest ... Regie: Gerd Beermann]
Osterwold audio (2015)
2 CD (ca. 126 Min.)
CD