Warten auf Bojangles
Eine ungewöhnliche Familie wird hier vor allem aus der Sicht des Kindes beschrieben: Die Eltern erscheinen exzessiv lebenslustig, mixen ununterbrochen Cocktails, tanzen zum titelgebenden Song und feiern rauschende Feste, auch mit sich selbst. Grenzen
durch Konventionen akzeptieren sie niemals. Und der Junge kann sich gar kein anderes Leben vorstellen, selbst dann noch, als die Risse im Paradies immer offensichtlicher werden. Denn seine charismatische Mama ist manisch-depressiv, gerät immer tiefer in Wahnvorstellungen und schockt immer häufiger durch extreme Aktionen. Als sie ihre Wohnung anzündet, wird sie in eine Heilanstalt eingewiesen. Dort feiert sie weiterer Feste, jetzt mit ihren Mit-Patienten. Von ihrem Ehemann und Sohn lässt sie sich entführen, treibt aber immer wieder in unerträgliche Wahnvorstellungen und nimmt sich schließlich das Leben. Nach dem Tod des Vaters findet der Sohn dessen Tagebücher und veröffentlicht sie. So entstand dieser Roman, der trotz aller Tragik das Schöne am Leben findet und dem unkonventionellen Lebensstil huldigt. Gefühlvoll, ohne sentimental zu sein, exzentrisch und von gegenseitigem Respekt geprägt. - Das Debüt des französischen Autors wurde bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet und kann auch in der Hörfassung - abwechselnd von A. Zirner (Vater) und R. Stadlober (Sohn) gelesen - empfohlen werden.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Warten auf Bojangles
Olivier Bourdeaut. Gelesen von August Zirner ...
Osterwold audio (2017)
3 CD (ca. 205 Min.)
CD