Der große Türke
Dies ist weniger eine Biografie als vielmehr eine Reportage, in der der Autor immer wieder zwischen den Ereignissen im 16. Jh. und der Gegenwart wechselt. Zum Faktensammeln besuchte er die betroffenen Länder und Orte, führte Interviews mit den ortsansässigen
Historikern und präsentiert deren oft unterschiedliche, einander widersprechende Vorstellungen über Süleyman, die Kriegszüge und dessen Konzept gegenüber dem Habsburger Reich. Er versucht ein Porträt des Sultans zu zeichnen, zitiert aus Briefen von Diplomaten, skizziert den Einfluss von Süleymans Gattin Roxelana, berichtet vom Architekten Sinan, dem Erbauer der Süleymaniye in Istanbul und von der Reaktion Europas auf die Angriffe. Leider ist das Buch nicht fehlerfrei. So wird der Leser den Ort Eszék (S. 92 u.a.) - richtig Osijek - auf einer Karte vergebens suchen, hat Papst Clemens VIII. nicht zu Lebzeiten Karls V. regiert, wird Slawonien mit Slowenien verwechselt. Wer sich an diesen und anderen Fehlern und an der ungewöhnlichen Art der Darstellung nicht stört, kann trotzdem neue Erkenntnisse über diese Zeit gewinnen.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der große Türke
Henk Boom
Parthas (2012)
335, [16] S. : Ill. (überw. farb.), graph. Darst., Kt.
fest geb.