Aus den Fugen
"Das war's." Mit diesen Worten verlässt der international gefeierte Starpianist Marek Olsberg mitten in seinem Vortrag Flügel, Konzertsaal und ein ratloses Publikum. Ratlos bleibt allerdings auch der Leser, denn eine wirklich triftige Begründung
für diese spontane Verweigerung wird ihm vorenthalten. Weder die Vorgeschichte noch das, was nachher kommt, geben über die Motive Olsbergs Aufschluss. Und gerade hier wäre es ja interessant geworden. Der Roman zerfällt in zwei Teile, ein Davor und ein Danach. Laut (allzu bedeutungsschwerem) Klappentext bringt diese unerhörte Begebenheit "neue Dynamik ins Leben vieler" verschiedener Personen, die an diesem Konzertabend in unterschiedlicher Weise, z.B. als Freund, Agent, Sekretärin, Besucher usw. beteiligt sind. Tatsächlich verändert sich aber nichts Grundsätzliches, nichts gerät wirklich aus den Fugen. Der Konzertabbruch fungiert nur als formale Klammer, die alle Einzelschicksale verbindet. Ihnen ist gemeinsam, dass sie irgendwie mit Unaufrichtigkeit und scheiternden Liebesbeziehungen zu tun haben. Die ziemlich beliebige Verknüpfung der verschiedenen heterogenen Stränge vermag nicht wirklich zu überzeugen, so wird die dem Plot zugrunde liegende, durchaus reizvolle Idee fast verschenkt und man muss den Roman des Schweizer Autors als flott geschriebenes, aber literarisch wenig anspruchsvolles Lesefutter bezeichnen.
Aus den Fugen
Alain Claude Sulzer
Galiani (2012)
230 S.
fest geb.