Frankie und Freddie
Für die Brüder Frankie und Freddie wird der 23. Dezember 1980 ein einziger chaotischer Tag. Für Freddie ist Schluss als Versuchskaninchen für eine Psychopharmaka-Studie, für die er sich mehrere Wochen in einem Hotel am Kudamm aufgehalten hat,
dennoch leidet er unter akuter Paranoia und massiver Angst vor Menschen. Er verliert auch noch seine Tasche, in der sich 3.500 DM aus der Versuchsreihe, sein Pass, sein Visum und das Flugticket nach New York befinden. Er wollte dort ein Kunststudium beginnen. Da Frankies alter Opel Kadett wegen einer leeren Batterie nicht anspringt, muss er mit Hilfe des WG-Mitbewohners Karl mit einem Schneeräumauto zum Abholen losfahren, denn eine U-Bahn kommt für Freddie nicht in Frage. So kurven sie durch das im Schnee versinkende Berlin, sehen Lebenskünstler, Hausbesetzer und skurrile Typen. Der Tag vor Heiligabend ist ein einziges Chaos, es herrscht „Ausnahmezustand“. Alle WGler weinen kollektiv über den ermordeten John Lennon. Mit einem Machtwort verdonnert das Punkmädchen Chrissie die beiden Brüder, zu ihrer wartenden Mutter nach Bremen zu fahren, weil Weihnachten ist. – Von den handelnden Personen des Buches lässt sich eine Haltung ableiten: Das Leben ist nicht planbar und das Glück liegt im stoischen Akzeptieren des alltäglichen Chaos und des Scheiterns. Und immer wieder bringt Sven Regeners Wortwahl mit original Berliner Kneipen- und Szenenton („Knalltüte, Mauermacke“) den Leser zum Schmunzeln.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Frankie und Freddie
Sven Regener
Galiani Berlin (2026)
277 Seiten
fest geb.