Hool
Heiko Kolbe ist 27 Jahre alt, lebt bei seinem Freund Arnim auf einem abgelegen Bauernhof mitten im Wald, arbeitet bei seinem Onkel in dessen Gym in Hannover. Richtig zu Hause fühlt sich der fanatische Hannover 96 Anhänger in seiner Hooligan-Gruppe,
die ihm mit einem kruden Ehrenkodes Halt und Orientierung gibt. Der Auftakt zum Hörbuch ist die Schilderung eines "Matches", das nichts anderes als eine generalsstabmäßig geplante Prügelei zwischen Fußballanhängern ist. Auf dem Weg dorthin erinnert sich Heiko an früher, wo Schlägereien einfach so stattfinden konnten, ohne dass die verhasste Polizei Präsenz zeigte. Generell beherrscht das Zauberwort "früher" unausgesprochen den gesamten Roman. Früher gab es für den kleinen Heiko ein normales Familienleben mit Mutter, Vater, Schwester und einer Wohnung direkt neben seinem besten Freund. Früher - das war, als Heiko mit Vater und Onkel ins Stadion gehen durfte und dort zum ersten Mal die Faszination der Massen erlebte. Früher - das war Geborgenheit und Zugehörigkeit. Dieses Gefühl, diesen Halt findet Heiko in der Hooligan-Gruppe seines Onkels, als seine Mutter sich scheiden lässt und der Vater endgültig den Alkohol verfällt. Heikos Parallelwelt mit ihren einfachen Regeln wirkt wie das verzerrte Bild einer spießbürgerlichen Gesellschaft mit Kaffee-Kuchen-Idylle, Blümchendecke und Taubenschlag. Der Weg des jungen Mannes scheint vorgezeichnet, macht traurig und lässt viele Fragen offen. Johannes Steck erzählt die Geschichte sehr authentisch. Er lässt Distanz, wo sie notwendig ist, weckt Mitleid und Neugier und trifft auch den derben Gassenjargon, ohne verstellt zu wirken. Das Hörbuch benötigt Zeit, es ist keine leichte Unterhaltung zum "Nebenbei-Hören". Für interessierte und aufgeschlossene Hörer geeignet.
Leoni Heister
rezensiert für den Borromäusverein.
Hool
Philipp Winkler. Gelesen von Johannes Steck
steinbach sprechende bücher [u.a.] (2016)
2 mp3-CD (ca. 619 Min.)
mp3-CD