Der neue Kalte Krieg
Julia Berghofer, Sicherheitsexpertin und Mitarbeiterin im Forum Neue Sicherheit der Heinrich-Böll-Stiftung und im paneuropäischen Thinktank ELN, beschreibt, wie sich der neue Kalte Krieg, in dem wir uns gerade befinden, entwickelt hat. 2001 spricht
Putin im Deutschen Bundestag noch von Friedensliebe, Demokratie und europäischem Humanismus. Russland hat die Vergangenheit hinter sich gelassen. Das Verhältnis wird ab der NATO-Osterweiterung 2004 schlechter, weil Russlands „Einflusssphäre“ schrumpft und die demokratischen Bestrebungen in seinen Nachbarländern als Gefahr für die eigene Sicherheit sieht. Putin wehrt sich, indem er systematisch Desinformation einsetzt, um westliche Staaten zu spalten. Seine russischen Landsleute im Ausland, sog. „Compatriots“, sollen gezielt den öffentlichen Diskurs in eine russlandfreundliche Richtung lenken. Eine andere Taktik sind Deep Fakes mittels künstlicher Intelligenz – täuschend echt wirkendende Videos, die Politikern Worte in den Mund legen, die diese nie gesagt haben. Ein weiteres Mittel sind die Cyberangriffe, mit denen Russland wichtige Infrastruktur zerstören kann. Wie muss sich der Westen neu aufstellen? Einerseits durch mehr Investitionen in Abschreckung und Verteidigung. Andererseits müssen alle Beteiligten die robusten Militär-zu-Militär-Kanäle professionell auf Expertenebene verstärkt nutzen. Die Gespräche zwischen den fünf Atomwaffenstaaten müssen fortgesetzt werden. - Ein aufrüttelndes, sehr informatives und am Ende sogar ein bisschen Mut machendes Buch.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Der neue Kalte Krieg
Julia Berghofer
Quadriga (2023)
317 Seiten
fest geb.