Ein langer Brief an September Nowak
Wer sich auf den Debütroman des Sängers und Songwriters Markus Berges ("Erdmöbel") einlässt, sollte Entdeckerlust mitbringen. Zum einen gilt es, die etwas spröde Sprache und die montagehafte Erzähltechnik Berges zu entdecken, daneben aber auch
die (Entwicklungs-)Geschichte, die der Autor in drei aufeinanderfolgenden Episoden plus einer Art Epilog erzählt: Die 19-jährige Betti fährt blauäugig zu ihrer Brieffreundin September Nowak nach Monaco, um dort zu erfahren, dass September weder so heißt noch das mondäne Leben führt, das sie in ihren Briefen beschrieben hat. Frustriert flieht Betti aus der engen Wohnung und wird von einer schrägen Deutschen eingeladen, mit ihr und ihrem erwachsenen Sohn im Auto durch Südfrankreich zu touren. Am Ende dieser Fahrt steht Betti wieder alleine und gibt sich nun, in Episode drei, gegenüber der Französin Christine und deren Familie als geheimnisvolle September Nowak aus, bis sie enttarnt wird. Dann aber steht sowieso die Heimreise an. Im Epilog wird Betti, ein paar Jahre später, durch eine Fotomontage von Andreas Gurski an den Beginn dieser Reise in ihr Erwachsenwerden erinnert. - Es braucht ein bisschen, um sich auf den Erzählstil Berges einzustimmen. Ist das gelungen, rollt die Geschichte immer weiter und zieht den Leser einfach mit. Für experimentierfreudige Leser/innen.
Dagmar Wolf
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein langer Brief an September Nowak
Markus Berges
Rowohlt (2010)
203 S. : Ill.
fest geb.