Die Kunst der Weltklugheit
Es gibt in der Geschichte der Literatur und Philosophie wohl nur einen Autor, der Essays ähnlich gut schrieb wie Montaigne, Aphoristisches ähnlich treffend formulierte wie Lichtenberg und La Rochefoucauld: der spanische Jesuit Baltasar Gracián.
Mit seinem "Handorakel und Kunst der Weltklugheit", einer Sammlung sinnreicher Maximen, schuf er vor gut 350 Jahren ein Stück Weltliteratur. Christoph Schulte-Richtering nahm sich der Aufgabe an, dieses Werk einmal auf heutige Verhältnisse umzuschreiben - und das ist ihm in überzeugender Weise gelungen.100 der treffendsten Tipps Graciáns, wie man mit den lieben Mitmenschen und den Tücken des Lebens umgeht, hat er in seinem Büchlein für uns Zeitgenossen umgeschrieben. Und die Lektüre macht Spaß und bereichert zugleich. Egal ob es darum geht, wie man geschickt mit jemand anderem in Konkurrenz tritt, wie man geschäftstüchtig wird oder warum man sich nicht immer klar und deutlich ausdrücken sollte - dieses Büchlein, so schmal es ist (knapp 190 Seiten), beinhaltet mehr Lebenshilfe und Philosophisches als manches dickleibige Kompendium. Und es ist in einem solchen schnörkellosen Plauderton geschrieben, dass jeder seine Freude daran finden wird. Für alle Büchereien sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Kunst der Weltklugheit
von Christoph Schulte-Richtering
Rowohlt (2012)
188 S.
fest geb.