Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen
Der junge Bernhard Appelbaum begegnet im Paris der sechziger Jahre zufällig einem alten Bekannten, Robert Bober, der sieben Jahre früher sein Betreuer in einem Ferienlager für jüdische Kinder war. Robert ist jetzt Assistent von Francois Truffaut
und besorgt Bernhard eine kleine Statistenrolle in dem Film "Jules und Jim". Dieser Film, den Bernhard später mit seiner Mutter besucht, wird für Bernhard zum Anlass, sich näher mit der Lebensgeschichte seiner Mutter, einer Jüdin aus Polen, zu beschäftigen. Seine Mutter wurde von zwei Männern geliebt, zwei Freunden. Sie heiratete den einen, Bernhards Vater, und verlor ihn durch die Nationalsozialisten. Sie traf im Pariser Exil den anderen wieder, heiratete ihn, hatte auch von ihm einen Sohn, und verlor ihn durch ein Unglück. Bernhard dringt immer tiefer in die Geschichte ein und nähert sich dadurch auch sich selbst. - Eindringlich erzählt Bober diese Geschichte aus dem Paris der Nachkriegszeit, in der er über die Figur des jungen Bernhard Autobiografisches transportiert und so selbst Erlebtes mit den Ereignissen der Weltgeschichte verflicht. Die schlichte, aber starke Sprache, die diesen Roman auszeichnet, lässt ein einzigartiges Schicksal für den Leser lebendig werden. Empfehlenswert. (Übers.: Tobias Scheffel)
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Wer einmal die Augen öffnet, kann nicht mehr ruhig schlafen
Robert Bober
Kunstmann (2011)
254 S. : Ill.
fest geb.